Heinrich Mette

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Tafel am Eingang Mettehof (Kreuzung Harzweg - Gernröder Weg):

Station4

 

Der Mette-Hof – von der Zuckerfabrik zur Saatzuchtfirma

Johann Peter Christian Heinrich Mette (1735-1806) gründete 1784 das zweite Saatzuchtunternehmen Quedlinburgs. Er begann bescheiden in der Wassertorstraße „Unterm Birnbaum“. Sein Wohngebäude ist noch erhalten. Bis 1900 war der Firmensitz im Westendorf. Sechs Generationen schufen kontinuierlich in stetiger Verbindung von Pflanzenzüchtung und Samenbau die zweitgrößte Saatzuchtfirma Quedlinburgs und erarbeiteten sich einen sehr guten Ruf in Deutschland und der Welt.

Mette1Ab 1825 begann sein Sohn Johann Heinrich Andreas Mette (1801-1869) ebenso wie Andreas Keilholz als einer der Ersten in Deutschland und der Welt mit der Zuckerrunkelrübenzüchtung. Diese wurde durch die erste funktionsfähige Zuckersiederei in Quedlinburg, Hanewald & Zerbst im Badeborner Weg, begünstigt. 1836 brachte Mette bereits Preisverzeichnisse für den Versand an seine Kunden mit 6 Runkelrübensorten heraus. Elite-Zuckerrübensamen und Futterrübensamen wurden die Hauptkulturen ihrer Saatzucht.

Auf dem Grundstück des späteren Harzweg/Gernröder Weg entstand um 1850 eine Zuckerfabrik, deren Teilhaber J. Heinrich Andreas Mette (3. Generation) war. Das Areal verfügte bereits über einen Gleisanschluss für den Versand der Sämereien. Die erfolgreiche Saatzucht-Firma konnte 1887 die Zuckerfabrik der vereinigten Landwirte erwerben, welche jedoch 1899 durch ein Feuer vernichtet wurde. Mit dem Neubau des Stadthofes/Fabrikhofes diente dieser nun ab 1900 als Sitz der Heinrich Mette Samenzüchterei. Die bereits 1881 errichteten Zuchtlaboratorien wurden erweitert und modernisiert. 1890 verkaufte die Firma die Flächen des Dechaneigartens an die Stadt. Dort entstanden die Villen an der Brühl- und Billungstraße.

Mette2Landwirtschaftliche Sämereien wie Saatgetreide, dazu Gemüse und Blumen bildeten ein umfangreiches Sortiment. Insgesamt bewirtschaftete man annähernd 1.000 Hektar, davon 750 ha im Eigenbesitz und 100 Hektar Zuchtgärten. Die Gewächshausfläche betrug etwa 5.000 m². 

Es wurden etwa 4.000 verschiedene Arten und Sorten vermehrt sowie vertrieben. Blumenvermehrungen zogen sich Kilometer entlang der Bahnstrecke nach Quarmbeck. Man pachtete 1840 noch das landwirtschaftliche Gut Gersdorfer Burg dazu, welches später gekauft wurde. Bekannte Agrarwissenschaftler begannen als Saatzuchtleiter ihre spätere Karriere bei H. Mette. Mette3Aber auch die Firmeninhaber selbst züchteten Sorten, wie z. B. Heinrich Mette bei einem breiten Sortiment an Löwenmaul, Sommerastern, Goldlack, Levkojen, Nelken, Scabiosen und Ziermohn. Im Stumpfsburger Garten wurde jährlich eine große Schau des Firmensortiments durchgeführt.

1945 wurden die letzten Firmeninhaber, Hermann Heinrich August Mette und Konrad Vogler, wegen einer Flächengröße über 100 ha enteignet. Vogler musste Quedlinburg verlassen. Der letzte Inhaber H. H. A. Mette starb 1945 in Kriegsgefangenschaft. Mit ihm und der folgenden Enteignung erlosch diese Traditionsfirma (siehe auch Artikel zu Station 3 - Stumpfsburger Garten).

Mette4Als DSG Betrieb II konnte die Saatzucht zu SBZ- und DDR-Zeiten weiterarbeiten. Der Stadthof wurde ab dieser Zeit bis 1991 „Aufbauhof“ genannt. Er diente als Aufbereitungs-, Großhandels- und Exportlager (s. u. DSG-VEB Saat- und Pflanzgut). Auf eine Zeit des Leerstandes folgte 2008 der Abriss des fast gesamten Areals. Nur das ehemalige markante Verwaltungsgebäude am Gernröder Weg blieb erhalten.

Heute nun ist der „Mettehof“ ein Einkaufszentrum. Als Erinnerung an den Begründer der „Großzüchterei Heinrich Mette“ tragen die "Berufsbildenden Schulen J.P.C. Heinrich Mette Quedlinburg" heute seinen Namen.